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Sonnen-VitaminVitamin D, auch bekannt als Sonnenschein-Vita- min, ist der neue Superstar unter den Vitaminen, sagen Wissenschaftler. Kaum zu glauben: Noch vor nicht allzu langer Zeit wurde es lediglich zur Bekämpfung der "Englischen Krankheit", der Rachitis, und zur Förderung des Knochen- stoffwechsels bei Osteoporose verwendet

Licht und Vitamin D

Der neue Star unter den "Vitaminen"

Im Sommer ist es einfach: Jeden Tag zwischen 15 und 20 Minuten in der Sonne genügen, um ausreichend Vitamin D zu produzieren. Im Winter dagegen reicht auch ein ausgedehnter Aufenthalt in der Sonne kaum aus, um den Vitamin D-Spiegel in die empfohlene Höhe zu schrauben. Denn die Sonne steht dann zu tief am Horizont.


Die neuesten Forschungen bringen Erstaunliches zu Tage: Vitamin D kann weit mehr als nur die Knochen stärken. Es fungiert als Regulator von mehr als 1.000 Genen unseres Körpers, also auch als Schutzengel gegen Brust-, Darm- und Bauspeicheldrüsenkrebs und schützt bei Herz-, Blutdruck- und Hautleiden, Diabetes und Sturzgefahr. Menschen mit einem höheren Vitamin-D Spiegel im Blut altern außerdem langsamer.

Kann Vitamin D all dies tatsächlich?

In einer achtjährigen Studie der Universitäten Heidelberg und Graz an über 3.200 Männern und Frauen im Durchschnittsalter von 62 Jahren, die eine Herzkatheteruntersuchung hatten, zeigte sich: Patienten mit niedrigen Vitamin D-Blutwerten hatten ein doppelt so hohes Todesrisiko. Das betont auch der Labordiagnostiker Prof. Dr. med. Winfried März aus Heidelberg:

Prof. Winfried März: „Niedriges Vitamin D ist in der Tat ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko. Bezüglich der Rachitis im Kindesalter oder der Osteoporose, wussten wir das schon sehr lange. Inzwischen wird aber klar, dass ein niedriges Vitamin D, die Entstehung von Diabetes Melitus, einen hohen Blutdruck hervorrufen kann oder eine Immunschwäche verursachen kann. Wir gehen heute davon aus, dass in der Bevölkerung der über 50-Jährigen ein Vitamin D-Mangel in etwa einem Drittel bis sogar zur Hälfte der Fälle gefunden wird.“

Dabei genügt eine Blutprobe, um den Vitamin D-Spiegel zu bestimmen. Das könnte für Risikogruppen wichtig sein - zum Beispiel für ältere Menschen und für alle, die nachts oder in geschlossenen Räumen arbeiten. Denn ein Vitamin D-Spiegel unter 30 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) bedeutet mehr als nur verminderte Knochendichte und erhöhte Sturz und Bruchgefahr, er öffnet auch Tür und Tor für viele Zivilisationskrankheiten.

Nord-Süd-Gefälle

Nord-Süd-Gefälle

Es gab schon länger wissenschaftliche Hinweise darauf, dass es ein Nord-Süd Gefälle für solche Krankheiten gibt. Menschen am Äquator sind weit weniger davon betroffen, während bei den Völkern in den nördlichen Breitengraden die Häufigkeit von Krebs, Diabetes und Herzleiden viel höher ist. Ab einer gedachten Linie nördlich von Rom, was dem 40 Breitengrad entspreche, sagen Forscher, sei die Häufigkeit dieser Erkrankungen deutlich höher.

Vitamin D oder Hautkrebs

Wie kann man aber dann einem Mangel vorbeugen, ohne sich mehr Sonne und einer erhöhten Hautkrebsgefahr auszusetzen? Tatsächlich gilt: Raus an die frische Luft und Vitamin D auftanken! Dafür genügen aber im Sommer bereits 15 Minuten täglich. Hellhäutige Menschen produzieren an der Sonne sogar 10 Mal mehr Vitamin D als Dunkelhäutige. Ein Freibrief für Braten in der Sonne, ist dies also auf keinen Fall. Zu viel Sonne bleibt ungesund und mehr Sonne ist auch nicht gleich mehr Vitamin D.

Wie ist es mit der Vitamin D-Aufnahme im Winter?

Wie ist es mit der Vitamin D-Aufnahme im Winter?

Im Winter laufen alle dick eingemummelt durch die Gegend. Ab dem 40. Breitengrad, also auch bei uns, ist der Sonnenstand für eine ausreichende Vitamin D-Produktion in der Haut in den Monaten Oktober bis März zu tief. Die notwendige UVB-Strahlung im Sonnenlicht ist nicht vorhanden. Deshalb ist die Versorgung über andere Quellen wichtig.

Wichtiger Vitamin-D-Lieferant: Fetter Fisch

Welche Rolle spielt die Ernährung?

Auch die Nahrung kann eine Quelle für Vitamin D sein. Zum Beispiel der regelmäßige Verzehr von Milchprodukten oder speziell Fisch wie beispielsweise Sardinen, Lachs, Makrele oder Thunfisch - gerade die fettigen Sorten. Nicht ohne Grund gab man Kindern früher Lebertran gegen Rachitis. Aber auch Eier sind Vitamin D-Lieferanten und ein Paar Gemüsesorten wie Pilze und Avocado. Allerdings können wir nur 10 bis 20 Prozent unseres Bedarfes an Vitamin D über die Nahrung aufnehmen. Denn man müsste zum Beispiel pro Woche 60 Eier essen, um den notwendigen Bedarf an Vitamin D zu decken oder ganze 1,4 Kilogramm Thunfisch.

Ist eine zusätzliche Vitaminzufuhr deshalb sinnvoll?

Diese Frage beantwortet der Labordiagnostiker Prof. Dr. med. W. März aus Heidelberg so:

Prof. Winfried März: „Es ist insbesondere für ältere Menschen und in den Wintermonaten, in den die körpereigene Vitamin D Produktion gering ist, eine nahegelegene Überlegung. Und aus diesem Grund diskutieren Wissenschaftler und Fachgesellschaften derzeit die gültigen Empfehlungen für die technische Vitamin D-Zufuhr anzuheben. Allerdings, das muss man einschränkend sagen, steht der endgültige Beweis, dass eine gezielte Vitamin D-Substitution die Prognose verbessert, noch aus.“

Ein weiteres Problem: Vitamin D ist fettlöslich, es wird also nicht einfach vom Körper wieder ausgeschieden. Allerdings sind bisher bis zu einer Dosis von 10.000 IU (Einheiten) - das entspricht etwa 250 Mikrogramm - noch keine unerwünschten Nebenwirkungen festgestellt worden. Eine Überdosierung ist deshalb nicht wahrscheinlich.

Wer aber auf Nummer sicher gehen will, setzt auf die Kraft der Natur. Ab dem Frühling am besten die ersten Sonnenstrahlen genießen und Vitamin D auftanken. Wie bei allen Heilmitteln: Die Dosis macht es. Sonne kann für alles Lebende Tod oder Heilquelle sein. Der Unterschied liegt wie immer im vernünftigen Umgang.

Vorstufe eines Hormons

Vitamin D ist physiologisch betrachtet eigentlich kein Vitamin, sondern die Vorstufe eines Hormons (Calcitriol). Denn Vitamine sind – per Definition – Nährstoffe, die der Körper nicht selbst herstellen kann und die deswegen mit der Nahrung aufgenommen werden müssen. Vitamin D wird dagegen fast ausschließlich unter dem Einfluss von UV B-Strahlung in der Haut gebildet.

Im Körper hat Vitamin D eine entscheidende Rolle bei der Regelung des Kalzium- und Phosphathaushalts und ist damit unter anderem für einen stabilen Knochenaufbau verantwortlich. Es ist schon lange bekannt, dass ein Mangel an Vitamin D in den ersten Lebensjahren zu Rachitis und bei Erwachsenen zu einem erhöhten Risiko für Osteoporose führen kann. Dank prophylaktischer Vitamin D-Gaben bei Säuglingen ist Rachitis in Deutschland inzwischen selten.

Vitamin D offenbar wichtiger als bislang angenommen

Neue Untersuchungen liefern jetzt allerdings zahlreiche Hinweise, dass Vitamin D eine weit wichtigere Rolle im Körper spielen könnte als bislang angenommen. Ein zu niedriger Vitamin D-Spiegel scheint das Risiko für einige Krebsarten, Diabetes Typ 1 und Herz- Kreislauferkrankungen zu erhöhen. Das haben zahlreiche Untersuchungen vor allem in den USA gezeigt. An der Medizinischen Universität Graz haben Wissenschaftler die Daten von über 3.200 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 62 Jahren ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass Patienten mit Vitamin D-Werten im unteren Bereich in den nächsten sieben Jahren ein bis zu doppelt erhöhtes Todesrisiko aufwiesen.

Verstärkter Vitamin D-Mangel im Alter

Je älter Menschen sind, desto häufiger haben sie einen zu geringen Vitamin D-Wert, weil die Fähigkeit des Körpers, Vitamin D zu produzieren, im Alter nachlässt. Die Grazer Mediziner haben zahlreiche Studien mit älteren Patienten durchgeführt, die das belegen. Allerdings: Menschen aller Altersgruppen sind vom Mangel betroffen. Fast 60 Prozent der Deutschen haben einen Vitamin D-Spiegel unterhalb des empfohlenen Wertes, so eine Studie des Robert-Koch-Institutes.

Vitamin D-Mangel kann nicht durch Gemüse ausgeglichen werden.

Wenig Einflussmöglichkeiten

Die Mög­lich­keiten, seinen Vita­min D-Spiegel positiv zu be­ein­flussen, sind gering, abgesehen von wissen­schaftlich sehr um­strit­tenen Solarium­besuchen. Denn, so die Argumente der meisten Forscher, damit erhöhe man zwar mög­licher­weise seinen Vitamin D-Spiegel, gleich­zeitig aber auch sein Haut­krebs­risiko. In den wenigsten Nahrungs­mitteln ist Vitamin D in nennens­werten Mengen enthalten. Die „klas­sischen“ Vitamin-Lieferanten Obst und Gemüse scheiden aus, sie enthalten kaum Vitamin D. Fetter Fisch ist eine Mög­lich­keit: Mit rund 17 Mikro­gramm des Vitamins enthalten etwa 100 Gramm Lachs rund das Drei­fache der nötigen Tages­dosis von 5 Mikro­gramm. In einem Herings­brötchen mit 100 Gramm Fisch­einlage steckt doppelt so viel. 100 Gramm Eigelb ent­halten noch etwa die halbe Tages­dosis. Das wären je nach Gewicht drei bis fünf Eier am Tag. Auf ähnliche Werte kommen 100 Gramm Champig­nons. Etwa zwei Mikro­gramm Vitamin D stecken drin.

Im Lachs ist sehr viel Vitamin D enthalten

Kommt die „Pille für den Winter“?

Richtige Ernährung kann den Vitamin D-Haushalt sicher positiv beeinflussen. Untersuchungen lassen aber bezweifeln, ob das ausreicht. Viele Forscher plädieren sogar angesichts der neuen Untersuchungen dafür, die notwendigen Empfehlungen nach oben zu korrigieren. Eine Möglichkeit wäre, wie etwa in den USA, Nahrungsmittel mit Vitamin D anzureichern. Milch oder Joghurt kämen dafür in Frage. Eine andere Möglichkeit wäre die systematische Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln in den Wintermonaten, die „Pille für den Winter“ sozusagen. Weitere klinische Studien sollen aber zunächst noch mehr über die Rolle von Vitamin D in unserem Körper verraten, bevor Empfehlungen über Richtwerte oder Ausgleichsmöglichkeiten endgültig entschieden wird.


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